

Die Reise zum Geburtstagsjubiläum findet vom 17.-20. August 2006 statt. Nach einführenden Vorträgen über Biografie und wissenschaftliche Grundideen Freuds besuchen die Teilnehmer das Freud-Haus in der Berggasse 19, wo Freud über 40 Jahre lang praktizierte. Ein Stadtspaziergang durch das Wien der Jahrhundertwende führt zu bedeutsamen Orten im Leben Freuds. Darüberhinaus ist der Besuch der Jubiläumsausstellung "Die Couch: Vom Denken im Liegen" geplant. Am Abend trifft sich die Gruppe im Theater an der Wien zur Aufführrung der von Freud sehr geschätzten Oper "Don Giovanni".
Weitere Programminformationen (Preise, Abflugzeiten, Unterbringung etc.) erhält man unter:
Die Wolfsburg - Katholische Akademie, Falkenweg 6, 45478 Mülheim/Ruhr
Tel. 0208 - 999 190, e-mail:
die.wolfsburg@bistum-essen.de
www.die-wolfsburg.de
Ansprechpartner: Dipl.-Psych. Thomas Auchter, Psychoanalytiker

Foto: Giesers
Das Seelische bewegt sich in Bildern und lässt sich von Bildern bewegen besonders von bewegten Bildern. Die Filme sind ein Medium, in dem sich die Gefühle, Wünsche, Ängste und Nöte ausdrücken können. In ihnen zeigen sich die Gefühlsgeschichten unseres Alltags in einer prägnanten Gestalt, darum werden wir von dem Schicksal der Helden und Anti-Helden oft gefesselt und hin und hergerissen.
Die Psychoanalyse bietet eine Plattform, auf der sich klären lassen kann, wie Filme wirken. Dabei zeigt sich, wie bestimmte Grundprobleme des Lebens in den Handlungsfiguren Form gewinnen, welches Schicksal sie erfahren, welche Wendungen sie nehmen, wie sie sich verkehren können und schließlich: welche Lösungsversuche gelingen oder scheitern.
Zwei psychoanalytische Institute in NRW wollen mit Filmreihen, Vorträgen und Diskussionen dazu anregen, sich vertiefter mit der bewussten und unbewussten Bedeutung von Filmen auseinanderzusetzen. Wir möchten hier darauf hinweisen und herzlich zum Dialog einladen:
Akademie für Psychoanalyse und Psychosomatik Düsseldorf
In der vom Black Box Filmtheater und der Akademie für Psychoanalyse und Psychosomatik veranstalteten Reihe Psychoanalyse und Film werden jeweils freitags um 19.00 Uhr folgende Filme gezeigt, stets eingeführt von Sebastian Feldmann (Rheinische Post) und von einem Vortrag einer Psychoanalytikerin/eines Psychoanalytikers kommentiert (anschließend Diskussion):
18. August 2006 Cidade de deus (City of God) von Fernando Meirelles
Brasilien 2002, 130 Minuten
kommentiert von Dr. Marga Löwer-Hirsch
22. September 2006 Milchwald von Thomas Hochhäusler
Deutschland 2002, 90 Minuten
kommentiert von Prof. Dr. Dirk Blothner
27. Oktober 2006 Die Frau des Leuchtturmwärters von Philippe Lioret
Frankreich 2004, 105 Minuten
kommentiert von Dr. Beate West-Leuer
17. November 2006 Wilde Erdbeeren von Ingmar Bergmann
Schweden 1957, 87 Minuten
kommentiert von Dr. Claudia Sies
08. Dezember 2006 Herbstsonate von Ingmar Bergmann
Deutschland/Schweden 1978, 89 Minuten
kommentiert von Dr. Mathias Hirsch
Veranstaltungsort:
Filmtheater BLACK BOX, Schulstr. 4. 40213 Düsseldorf
www.filmkunstkinos.de
Kartenreservierung: 0211 - 89 92 490
Kontakt:
Geschäftsstelle der Akademie:
Monika Pult
Postfach 22 12 80
41435 Neuss
Tel.: 02182 - 91 08
Fax: 02182 - 696 43 Email: hpult@t-online.de
Weitere Informationen: www.akademie-psychoanalyse-duesseldorf.de
Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf e.V.
Die Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf (DPV) zeigt zwei Filmreihen - sonntags in Köln und neuerdings freitags auch in Bonn.
In Zusammenarbeit mit dem OFF Broadway Kino in Köln zeigt die Arbeitsgemeinschaft folgende Filme:
13. August 2006, 15.30 Uhr: Das Piano von Jane Campion
Australien/Neuseeland 1993, 116 Min.
vorgestellt von Dipl.-Psych. Thomas Auchter
10. September 2006, 15.30 Uhr: Match Point von Woody Allen
GB 2005, 124 Min.
vorgestellt von Dr. med. Sabine Wollnik
08. Oktober 2006, 15.30 Uhr: Caché von Michael Haneke
F/I/D/A , 119 Min.
vorgestellt von Dipl.-Psych. Rupert Martin
Info: www.psa-kd.de und off-broadway.de
Kartenreservierungen:
OFF Broadway Kino
Zülpicher Str. 24, 50674 Köln
Tel.: 0221 / 820 57 33 und 23 24 18
eMail: Kontakt@off-broadway.de
In Zusammenarbeit mit der Kinemathek in Bonn zeigt die Arbeitsgemeinschaft folgende Filme:
25. August 2006, 19.30 Uhr: Drei Farben: Blau von Krzysztof Kieslowski
Polen/Schweiz/F 1993, 100 Min.
vorgestellt von Dr. med. Isolde Böhme
22. September 2006, 19.30 Uhr: Fight Club von Davin Fincher
USA 1999, 139 Min.
vorgestellt von Dipl.-Psych. Brigitte Ziob
27. Oktober 2006, 19.30 Uhr: Good bye, Lenin! von Wolfgang Becker
Deutschland 2003, 125 Min.
vorgestellt von Dipl.-Psych. Rupert Martin
17. November 2006, 19.30 Uhr: Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Peter Webber
GB/Luxemburg 2003, 101 Min.
vorgestellt von Dipl.-Psych. Angelika Voigt-Kempe
22. Dezember 2006, 19.30 Uhr: Intime Feinde von Patrice Leconte
Frankreich 2003, 104 Min.
vorgestellt von Dr. med. Sabine Wollnik
26. Januar 2007, 19.30 Uhr: Eyes Wide Shut von Stanley Kubrick
USA 1999, 159 Min.
vorgestellt von Dr. med. Johannes Döser
23. Februar 2007, 19.30 Uhr: Gottes vergessene Kinder von Randa Haines
USA 1986, 114 Min.
vorgestellt von Dipl.-Psych. Thomas Auchter
Info: www.psa-kd.de und off-broadway.de
Kartenreservierungen:
Kino des Rheinischen Landesmuseums Bonn
Bonner Kinemathek
Colmantstr. 14-16, 53115 Bonn
Tel.: 0228 / 47 84 89 820 57 33
Kontakt:
Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf e.V.
(Institut der DPV/DGPT)
Riehler Str. 23, 50668 Köln
Tel.: 0221/135901
eMail: psa.k-d@t-online.de
weiter Informationen: www.psa-kd.de
Die Sammlung des Kölner Psychoanalytikers Hartmut Kraft zeigt das kreative Schaffen von "Grenzgängern zwischen Kunst und Psychiatrie“. Sie ist eine moderne Fortführung der kunsthistorisch und psychologisch wertvollen Sammlungen von Hans Prinzhorn („Bildnerei der Geisteskranken“).
Im Siegerlandmuseum im Oberen Schloss von Siegen zeigt Hartmut Kraft das Werk von fünf außergewöhnlichen Künstlern, die unter psychischen Störungen litten, sich zur Behandlung in psychiatrischen Kliniken und Pflegeheimen aufhielten oder ein selbst gewähltes isoliertes Leben führten:
Friedrich Schröder-Sonnenstern (1892 1981) begann erst nach seiner psychischen Erkrankung, sich intensiv künstlerisch zu betätigen. Seine vollkommen eigenständigen Zeichnungen gehören seit den fünfziger Jahren international zu den herausragenden Werken der Art brut.
Gustav Mesmer (1903 1994) wurde durch seine Flugobjekte bekannt, besonders durch seine „geflügelten Fahrräder“. Neben den Objekten entstanden viele sensible Aquarelle.
Theo (1918 1998) hat spontan gezeichnet am häufigsten Adolf Hitler und andere Größen des Nazi-Regimes, also gerade den Personenkreis, dessen Euthanasieprogramm er im dritten Reich nur mit Glück entkommen konnte.
Blalla W. Hallmann (1941 1997) hat Kunst studiert, bevor er an einer Schizophrenie erkrankte. Gegen Ende seines Lebens reflektierte er seine Erkrankung es sind einmalige Dokumente der künstlerischen Selbstreflexion einer Psychose.
Karl Junker (1850 - 1912) hatte wie Hallmann ebenfalls eine akademische Kunstausbildung absolviert, bevor er erkrankte. Er lebte als zurückgezogener Sonderling in Lemgo, wo er sein Haus zu einem expressiven Gesamtkunstwerk gestaltete. Er wurde nach seinem Tod in der Berliner Neuen Sezession als "Vorläufer der Moderne" mit einer Ausstellung geehrt.
Der Kölner Nervenarzt und Psychoanalytiker Dr. Hartmut Kraft ist als Sammler und Autor zahlreicher Bücher im Grenzgebiet von Psychiatrie, Psychoanalyse, Ethnologie und Kunst bekannt geworden.
Die Ausstellung in Siegen wird am Sonntag, 30. April 2006, um 11 Uhr eröffnet.
Die Ausstellung ist vom 30. April 2006 bis 25. Juni 2006 geöffnet, täglich außer montags 10 - 17 Uhr
Ort: Siegerlandmuseum im Oberen Schloß, Burgstraße, 57072 Siegen
Info: www.siegerlandmuseum.de
Ansprechpartner: Dr. Hartmut Kraft, Psychoanalytiker, Köln
Rückenschmerzen sind in den letzten Jahrzehnten zu der Volkskrankheit schlechthin geworden. Rückenprobleme verursachen einer Statistik von 1998 zufolge in Deutschland pro Jahr Kosten von ca.15 17,5 Milliarden Euro, es gibt 3,7 Millionen Fälle von Arbeitsunfähigkeit mit 75,5 Millionen Krankheitstagen (mittlere Dauer der Arbeitsunfähigkeit: 21 Tage pro Krankheitsfall = 6 Tage über dem Durchschnitt). Rückenprobleme verursachen im Jahr über 53.610 Frühberentungen (= 18% aller Frühberentungen).
Zu unterscheiden sind akute Rückenprobleme von chronischen Verläufen. Bei den chronischen Erkrankungen hat die Forschung gezeigt, dass sich - mit Ausnahme schwerer körperlicher Arbeit - objektiv belastende Arbeitsplatzbedingungen als weniger relevant erweisen als Belastungen im psychosozialen Bereich wie z.B. Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, Streß im familiären Bereich, in der psychosozialen Umgebung oder ganz persönliche Konflikte.
Moderne Erklärungsmodelle gehen davon aus, daß es zwischen neuronalen Verursachungs-Zusammenhängen und psychischen Streßfaktoren eine enge Wechselwirkung gibt. Man kann also sagen, dass das Schmerzerleben nach den heute gültigen wissenschaftlichen Erkenntnissen keineswegs nur das Ergebnis einer objektiv auszumachenden Gewebeschädigung ist, sondern dass es, unabhängig von einer objektiv vorhandenen oder auch nicht vorhandenen Gewebeschädigung, von dem Zusammenspiel innerer und äußerer Faktoren bestimmt wird. Das ist bei chronischen Schmerzzuständen, wie z.B. chronischer Rückenschmerz von besonderem Gewicht.
Stress führt über komplizierte Prozesse im Hormonhaushalt zu erhöhter Ausschüttung von Adrenalin, Dopamin und Noradrenalin. Durch anhaltenden oder häufig sich wiederholenden Stress kann es über die vermehrte Ausschüttung dieser nervenwirksamen Botenstoffe zu einer Schädigung des Hippokampus kommen, eines Hirnareals, das mitwirkt z.B. am Kurzzeitgedächtnis und an der Verknüpfung von Erlebnisinhalten. Außerdem kann die Steuerung der Cortisolfreisetzung erheblich beeinträchtigt werden. Dadurch kann es zu einem verstärkten Abbau von Proteinen im Muskel kommen, zu einer Hemmung des Einbaus von Kalzium in den Knochen und zu einer Schwächung des Immunsystems (erhöhte Infektanfälligkeit). Diese Mechanismen können Schmerzen auslösen oder verstärken.
Streß ist das englische Wort für Überlastung, psychologisch ist Stress: „Mehr wollen als können“, z.B. mehr haben wollen, mehr leisten wollen, mehr verkraften wollen als können. Stress kann bewusst oder unbewusst sein; er kann seinen Ursprung in der sozialen Umwelt haben oder in der eigenen, inneren seelischen Welt.
Äußere Stressfaktoren z.B. können schlechte Arbeitsplatzbedingungen oder Arbeitslosigkeit sein, Konflikte mit der Familie, mit der Nachbarschaft etc.
Innerlich können uns z.B. Selbstwertzweifel, Isolationsgefühle, Leeregefühle, Antriebslosigkeit, Fragen nach dem Lebenssinn, Groll wegen alter Verletzungen, Konflikte um Leistungsfähigkeit und Ansehen, Gewissenskonflikte und Ängste aller Art unter Druck setzen. Oft sind diese inneren Zustände mehr oder weniger unbewusst und meist ist es äußerst schmerzhaft, sich ihrer bewusst zu werden. So kann es kommen, dass unser kompliziertes neurochemisches System, die „Neuromatrix“, für die Chronofizierung eines körperlichen Schmerzes sorgt, um uns damit das Spüren eines tiefer liegenden seelischen Schmerzes zu ersparen.
Diese relative seelische Schmerzfreiheit ist allerdings mit chronischem, körperlichem Schmerz teuer bezahlt. Denn andauernde körperliche Schmerzen sind wiederum Stress und Stress verstärkt Schmerz und damit schließt sich ein Teufelskreis, es sei denn, er wird eines Tages doch unterbrochen.
Durch Gewebeschädigungen verursachte Schmerzen sollten natürlich weiterhin medizinisch behandelt werden. Bei chronischen Schmerzen und bei Schmerzen, die keine ausreichende somatische Begründung finden, sind jedoch unbedingt auch psychische Faktoren zu berücksichtigen. In vielen Fällen kann dann mit Hilfe einer psychotherapeutischen Behandlung die Ursache des Stresses ausfindig gemacht und bearbeitet werden, sodass es zu einer wesentlichen Schmerzlinderung kommt.
Ansprechpartner: Dr. Angela Gräber, Psychoanalytikerin, Meckenheim

Entgegen einem verbreiteten Vorurteil, erweisen sich psychotherapeutische Behandlungen bei älteren Patienten als lohnenswert und effektiv. Die Behandlung kann die Lebensqualität bis ins hohe Alter erheblich verbessern, wenn man die spezifischen Bedingungen des Altern beachtet. In einem Vortrag anlässlich der diesjährigen Mitgliederversammlung des AFTAP schilderte Dr. Helmut Luft, Psychoanalytiker und Arzt, selbst Jg.1924, eindrucksvoll den erfolgreichen Verlauf mehrerer psychoanalytischer Behandlungen mit älteren Patienten.
Eine Patientin war bei Beginn einer ersten psychoanalytisch orientierten Behandlung 94 Jahre alt. Sie beanspruchte eine zweite psychoanalytisch orientierte Psychotherapie von ihrem 99 zigsten bis zu ihrem 104. Lebensjahr. Sie hatte auf den Tod ihres Mannes mit starken psychosomatischen Symptomen reagiert, die im Laufe der Behandlung vollständig verschwanden. Hinter den Symptomen verbargen sich Schuldgefühle und unterdrückte Wut sowie verleugnete Ängste vor Verlust, Vergänglichkeit und Tod.
Eine andere Patientin, 60 Jahre alt, die seit 5 Jahren unter der Diagnose „Alzheimer“ in einem Pflegeheim teilnahmslos im Bett lag, erwies sich nicht als dement, sondern als depressiv. Nach einer psychotherapeutischen Behandlung verließ die Pat. das Altenheim, lebte selbständig in ihrer Wohnung, reiste viel, brauchte keine Medikamente mehr und wurde wieder Mittelpunkt der Familie. Sie sorgte für ihren Nachlass und starb sechs Jahre später.
Herr Dr. Luft betonte die Wichtigkeit der Differentialdiagnose zwischen Demenz und Depression. Von den 70-jährigen sind weniger als 5% organisch an Demenz erkrankt, von den 80-jährigen nur 15%. Zudem erklärte er, dass der Alterungsprozeß kein einseitiger Abbau ist: Vielmehr gibt es eine Gegenläufigkeit von „Abbaukurve“ (körperlicher Abbau, psychischer Abbau, soziale Verluste) und „Reifungskurve“ (Lebenserfahrung, Bedächtigkeit, Weisheit, Kreativität, Versöhnlichkeit, antizipierendes Handeln) im Alter, wobei die Reifungskurve durch eine angemessene psychotherapeutische Behandlung oft erheblich unterstützt werden kann.
Der veralteten Auffassung von der Unveränderbarkeit einmal eingerichteter Hirnstrukturen setzte Herr Dr. Luft die heute wissenschaftlich bewiesene Erkenntnis entgegen, dass das Gehirn lebenslang veränderbar und entwicklungsfähig ist. Sein Vortrag ist eine engagierte Ermutigung sowohl für Psychotherapeuten, ältere und alte Patienten zu behandeln, als auch für ältere Menschen, bei Bedarf psychoanalytische Behandlungen in Anspruch zu nehmen.
Ansprechpartner:Dr. Angela Gräber, Psychoanalytikerin, Meckenheim
Traumatisierungen, wie die der Flucht und Vertreibung der Bevölkerung aus den deutschen Ostgebieten, hat generationsübergreifenden Einfluss und wird zum unbewussten Strukturprinzip, das von Eltern vermittelt von den Kindern internalisiert wird. Traumatisierung behindert bewusste Beschäftigung mit dem Trauma und fördert die Weitergabe unbewusster, nicht verarbeiteter Erinnerungen. Darauf wies der Psychoanalytiker Dr. Bertram von der Stein in einem Vortrag hin, den er auf den diesjährigen Rheinischen Psychotherapietagen in Bonn hielt.
Lange Zeit wurde das schwere Schicksal der Vertriebenen und ihrer Kinder und Enkel nicht genügend aufgedeckt und wissenschaftlich untersucht. In den 60er und 70er Jahren wurde das Thema »Flucht und Vertreibung« in den Schulen nur am Rande behandelt, obwohl oder gerade weil - etliche Lehrer selbst betroffen und viele Schüler Kinder von Flüchtlingen aus den ehemaligen Ostgebieten waren.
Eigene unbewältigte Schuld und Scham und deren Abwehr sowie eigene Traumatisierungen bestimmten nach dem zweiten Weltkrieg die Beziehung der Eltern zu ihren Kindern. Eine unvoreingenommene Auseinandersetzung über dieses Thema fand kaum statt. In der Bundesrepublik Deutschland wurde das Thema »Flucht und Vertreibung« zum Teil politisch instrumentalisiert, indem unrealistische Träume von einer Rückkehr geschürt und Kriegsverbrechen der Sieger und Vertriebenenschicksale mit den Auswirkungen des Holocaust missbräuchlich gleichgesetzt wurden, um Auschwitz zu relativieren.
Andererseits gab es viele, die zwar von Verbrechen durch Deutsche, nicht aber von Verbrechen an Deutschen reden wollten. In der ehemaligen DDR war wegen der Zwangsfreundschaft zu den sozialistischen Brudernationen das Thema »Vertreibung deutscher Bevölkerungsteile« vollständig tabu.
Von der Stein berichtete über eigene Behandlungsfälle, die Mut machen, sich auch mit lange zurückliegenden, tief verschütteten Traumatisierungen therapeutisch auseinanderzusetzen. Seine Befunde beziehen sich auf längerfristige Psychotherapien (10 psychoanalytische Psychotherapien mit einer Dauer von 1,5 bis 3 Jahren, 15 analytisch orientierte stationäre Psychotherapien von mindestens 12 Wochen Dauer sowie 18 Kriseninterventionen). Die Patienten gehörten den Geburtsjahrgängen 1947 bis 1967 an. Bei allen Patienten wurde mindestens ein Elternteil vertrieben, bei 5 Patienten hatte es eine Vergewaltigung der Mutter durch russische Soldaten gegeben, 6 Patienten verloren im Krieg Geschwister, 11 Patienten ihre Väter. Bei einem Patienten wurde der Vater als Adoleszenter von russischen Soldaten verschleppt, während die Mutter jüdischer Abstammung die NS-Zeit in einem Holzverschlag in einer rheinischen Großstadt überlebt hatte.
Ansprechpartner: Dr. Bertram von der Stein, Psychoanalytiker, Köln

Die anrührende Wirkung, die Musik auf die menschliche Psyche ausübt, ist uns allen vertraut. Und dennoch sind uns die Ursachen für diese Wirkmacht der Musik bis heute ein Geheimnis.
Die Musik besteht nicht nur aus einer Ansammlung von Noten. Um ihre psychische Wirkung zu verstehen, erscheint es sinnvoll, das Bewegende der Musik weniger durch eine musikwissenschaftliche Analyse als vielmehr durch eine Psychoanalyse der Musik zu entschlüsseln mit einer Methode also, die über eine besondere Form subjektiven ästhetischen Erlebens die unbewusste seelische Thematik einer musikalischen Ausdrucksgestalt zu erspüren versucht.
Eine entsprechende ästhetische Tiefenhermeneutik ist noch kaum entwickelt, sie könnte uns aber wichtige Aufschlüsse über unser Musikerleben liefern. Die Forschungs- und Publikationsaktivität im Feld von Psychoanalyse und Musik ist erfreulicherweise in den letzten Jahren deutlich angewachsen. Eine Bestandsaufnahme aller relevanten Aufsätze seit den Anfängen der Psychoanalyse ist unter dem Titel „Psychoanalyse und Musik“ erschienen.
Die musikpsychoanalytische Forschung der letzten Jahre hat die Annahme immer mehr zu einer Gewissheit werden lassen, dass sich die großen, genialen Werke der Musikgeschichte dadurch auszeichnen, dass sie neben der manifesten, offenkundigen Sinnebene noch eine zweite, latente Sinnebene besitzen. Beim Musikhören rezipieren wir beide Musikebenen, ohne dass uns dies bewusst ist. Während sich die manifeste Sinnebene einer Musik mit Hilfe musikwissenschaftlicher Termini analysieren und beschreiben lässt, können wir über die verborgene unbewusste Wirkebene oftmals nichts weiter aussagen, als dass sie uns „tief bewegt“ oder dass sie „sehr ergreifend ist“.
Wo sich Musik mit Text verbindet, besteht für eine Psychoanalyse der Musik eine größere Chance, einen Zugang zu dieser unbewussten Sinnebene eines Musikstückes zu bekommen. Denn am Text, zumal, wenn er vom Komponisten frei gewählt ist, hat sich seine Phantasie und musikalische Inspiration entzündet, so dass von hier aus oftmals eine deutliche Fährte zum unbewussten Sinn gelegt wird.
Im westfälischen Coesfeld hat eine Forschungsgruppe im Jahre 2001 ein wissenschaftliches Forum („Coesfelder Symposium Musik & Psyche“) ins Leben gerufen, das sich dem Feld von „Psychoanalyse und Musik“ zugewandt hat und alljährlich im Herbst ihre neusten Projekte in Vorträgen und Workshops der Öffentlichkeit präsentiert. Bisherige Themen des Symposiums waren: „Das Unbewusste in der Musik“ (2001), „Die Musik als Geliebte zur Selbstobjektfunktion der Musik“ (2002), „Musik als Ausdruck unbewusster Phantasien“ (2003), „Musik und pränatales Erleben (2004).
In diesem Jahr steht das Forum unter dem Titel „Die Musik als Klangrede“.
„Die Musik als Klangrede“
17.09. bis 18.09.2005
in der Kolping-Bildungsstätte Coesfeld
Gerlever Weg 1
D-48653 Coesfeld
Tel.: 02541-803-03 Fax: 02541-803-101 eMail: mailto:info@kolping-ms.de Internet: http://www.kolping-ms.de/
Nähere Informationen zu Aktivitäten und Publikationen im Bereich „Psychoanalyse und Musik“ sind im Internet abrufbar unter: www.psychoanalyse-und-musik.de
Kontakt:
PD Dr. Bernd Oberhoff, geb. 1943, Diplom-Psychologe, Privatdozent an der Universität Kassel, Gruppenanalytiker (DAGG), Supervisor (DGSv) in freier Praxis in Münster. Mit-Herausgeber der Fachzeitschriften: „Supervision“ (1983 bis 1987), „Freie Assoziation“ (seit 1998). Außerdem langjährige musikalische Tätigkeit als Kammerchorleiter (1975 -1991). Als Dirigent des „Collegium Vocale Dortmund“: 1. Preisträger beim Internationalen Chorwettbewerb in Weert/ Niederlande(1980); Rundfunkaufnahmen beim WDR Köln: „Europäische Madrigale des 16.- 18. Jahrhunderts“ (1983). Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u.a. "Christoph Willibald Glucks präödipale Welt" (1999); "Psychoanalyse und Musik" (2002), "Das Unbewusste in der Musik" (2002), "Die Musik als Geliebte (2003), "Gluck: Orpheus und Eurydike" (2003), "Mozart: Zauberflöte" (2003) "Mozart: Don Giovanni" (2004).
Neuere wissenschaftliche Untersuchungen haben die anhaltende hohe Wirksamkeit psychoanalytischer Krankenbehandlungen unter Beweis gestellt. Noch 6 Jahre nach Abschluss langfristiger psychoanalytischer Behandlungen von schwer seelisch kranken Menschen war deren Symptombelastung deutlich reduziert, die Lebenszufriedenheit, die Arbeits- und Beziehungsfähigkeit anhaltend gebessert. Arztbesuche, Krankschreibungen und Krankenhausaufenthaltstage sinken bereits im ersten Behandlungsjahr ab. Der positive Effekt hält nachweislich bis weit nach Abschluss der Behandlungen an.
Trotzdem greifen die Krankenkassen in den Behandlungsrahmen langfristig angelegter psychoanalytischer Behandlungen reglementierend so ein, wie es die bestmöglichen Behandlungsergebnisse gefährdet, bzw. verhindert. Die Leistungserbringer werden existenzgefährdend schlecht honoriert und es gibt politische Stimmen mit dem Vorschlag, psychotherapeutische Leistungen ganz aus dem Grundleistungskatalog der Krankenkassen zu entfernen.
Weitere Informationen erhalten Sie in der Broschüre "Indikation und Wirksamkeit" der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung, welche Sie HIER als PDF-Dokument herunterladen können.
Die Website der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung finden Sie unter
www.dpv-psa.de
Dr. Angela Gräber